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Eine lange Geschichte und eine lange Tradition
Es begann 1896!

Im Jahr 1896 wurde das Café, heute Gasthaus Binder, von Frau Riedmüller eröffnet. Sie wurde durch Verwandte auf das Haus aufmerksam und erwarb es. Das Café wurde vor allem von den Angestellten des Schlosses, k.u.k. Hofbeamten, frequentiert. Damals konnte man es sich nicht leisten, zum Essen in ein Gasthaus zu gehen, und somit war es nach dem Zerfall der Monarchie und der Absiedelung der Beamten mit den zahlungskräftigen Gästen vorbei. Frau Riedmüller überlegte sich sogar einen Bootsverleih auf dem Fadenbach einzurichten. Da es damals den Schutzdamm noch nicht gab, kam es immer jährlich zu Hochwässern (bis auf Höhe der Fenster war durchaus üblich) und der Fadenbach führte immer genügend Wasser. Diese Idee wurde aber wieder verworfen, denn nun hatte man andere Sorgen - das Café Riedmüller brannte ab.

Frau Riedmüller übergab das Gasthaus im Jahr 1918 an ihre Neffen Schneider und Binder weiter. Durch die wirtschaftliche Lage und das Fehlen der Hofbeamten, konnte sich aber kaum jemand einen Gasthausbesuch leisten und 1921 wechselten wieder die Besitzer. Auch diese (1921-1924 Hans Rehak, 1924-1928 Konar) hatten wenig Glück, es wurde weiter abgewirtschaftet. 1928 kam aus Probstdorf Johann Stöger (der Vater von Frau Bruckner) und kaufte das Anwesen. Nach dem Kauf entdeckte er, dass die Konzession an die Gemeinde zurückgegeben worden war und nur mit Hilfe des damaligen Bundeskanzlers Buresch erhielt Familie Stöger die Konzession wieder zurück. Johann Stöger belebte das Gasthaus mit vielen Aktivitäten und erweiterte es durch Fremdenzimmer. In der "Schwunghalle" wurden Tanzveranstaltungen und Tanzkurse abgehalten. Tanzkapellen kamen mit der Zille über die Donau und spielten auf. Aus dem Prater wurde die "dicke Mitzi" geholt - sie brauchte zum Sitzen zwei Sessel und ihr Bett musste gestützt werden. Ja und dann gab es noch Aufführungen der legendären Löwingerbühne in Orth. Die Tanzveranstaltungen und andere Unterhaltungen waren Anziehungspunkt für das ganze Marchfeld.

Während des Krieges wurde für Kriegsgefangene, die im Sägewerk und in der Zuckerfabrik arbeiteten, gekocht. Zwischen 300 und 400 Portionen mussten täglich bereitgestellt werden.Die Lebensmittel wurden zugewiesen, doch auch da gab es große Unterschiede: Für die Russen gab es Erdäpfel und Rüben, für die Engländer Sardinen oder sogar Schokolade. Hr. Stöger gab aber auch den Russen Lebensmittel der Franzosen und Engländer, damit sie sich einigermaßen satt essen konnten.

Nach dem Krieg gingen die Leute wieder zur Unterhaltung und es entstand die 1. "Disco" bei der Familie Stöger. Ein Plattenspieler wurde angeschafft und so konnten die jungen Orther wieder tanzen oder einen Tanzkurs besuchen. Bis zum Jahr 1954 (hier übernahm das Gasthaus seine Tochter Rosa Bruckner) war die "Cerna Hora", so nannte man den angebauten Raum aus Holz, Treffpunkt der Orther Jugend. Aus baulichen Gründen musste dieser Raum jedoch abgerissen werden. Bis in die 60er-Jahre blieb das Gasthaus Bruckner Treffpunkt der Jugend und für sie gab es auch die erste Musicbox in Orth. Da aber auch der Fernseher (damals ging man zum Fernsehen ins Gasthaus, denn für zu Hause konnte man sich ein solch teures Stück nicht leisten) im selben Raum stand, gab es mitunter Spannungen mit den älteren Gasthausbesuchern. Erst wenn diese nicht mehr fernsehen wollten, konnte man mit der Tanzmusik beginnen. Einer der ersten Sparvereine, Kartenrunden und ein Briefmarkenverein belebten das gesellige Beisammensein im Gasthaus.In Orth war es früher üblich, dass einzelne Gruppen ihr Stammwirtshaus hatten, so ging die Arbeiterschaft und die Arbeiter des Meierhofes ins Gasthaus Bruckner. Heute gibt es diese Trennung zum Glück nicht mehr und alle Gesellschaftsschichten treffen sich in allen Gasthäusern in Orth.

Seit 1987 wird das Gasthaus von Familie Binder geführt. Außer einer gut sortierten Speisenkarte lockt vor allem im Sommer ein wunderschöner Garten mit Weinheckenlaube.

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